08.12.2015





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Ansprache zur Seniorenadventsfeier am 6.12.2015 in Framersheim und am 12.12.2015 in Wonsheim

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Liebe Freunde, verehrte Anwesende,
die Adventszeit ist die Zeit der Märchen, Mythen und Träume, sagt man; – und so erging es auch mir nicht viel anders, denn ich hatte während einer der letzten Nächte einen Traum:

Da sah ich ein fremdes, weit entferntes Land, das sich Staat nannte, und das doch keiner war, denn es glich mehr einem gesetzlosen und chaotischen Reich, obwohl jene, die dort die Macht ausübten, sich auf Regeln beriefen, die ihnen angeblich von einem Gott gegeben worden waren; und dort herrschte Terror, Ungemach und Gewalt – und die Menschen fürchteten sich, und wer konnte, der nahm seine Lieben und floh, so weit es nur möglich war...

Und ich sah andere Länder, und auch diese hatten ihren eigenen Gott, und sie beherbergten viele von denen, die aus jenem Reiche geflohen waren – doch sie sahen, dass die ehemaligen Bürger jenes Reiches immer zahlreicher wurden unter ihnen; und sie beschlossen, den Frieden wieder zurück zu bringen in jenes Reich, damit seine Bürger wohlbehalten wieder heimkehren könnten.

Und so schickten sie neue Waffen und neue Soldaten in jenes Reich, und sie warfen neue Bomben und sie brachten neues Leid. Und sie taten es, um jenem Reich den Frieden zu bringen, den Frieden, wie ihnen ihr Gott ihn verheißen hatte, denn auch sie hatten ihren eigenen Glauben von Kindesbeinen an. Und sie wunderten sich, dass der Frieden nicht wachsen wollte, unter der Saat dieser neuen Gewalttaten und Kriegshandlungen.

Und es ging, wie es ging – immer weiter und weiter. Doch zuletzt – an einem sehr fernen Tage – da sah ich mit einem Male immer mehr Menschen, die sich nicht mehr verlassen wollten auf den Glauben, der ihnen immer gepredigt worden war, und die müde geworden waren zu kämpfen, und die nicht mehr hassen und kämpfen wollten und die in ihren früheren Gegnern schließlich nicht mehr die Andersgläubigen sahen, sondern nur noch die Menschen, - Menschen, deren Leben und Leiden ihnen mit einem Mal nicht mehr so fremd vorkam, wie früher, sondern deren Schicksal ihnen ganz plötzlich so vertraut vor ihrem inneren Auge erschien, wie ihr eigenes.

Und in meinem Traum schöpfte ich Hoffnung und ich vertraute auf die Ankunft – Adveniat – jenes fernen Tages, und ich lächelte im Traum - und ich fühlte die Freude in den Herzen all der Menschen, die ihre früheren Meinungen, ihren früheren Glauben und ihre Herzlosigkeit überwunden hatten – und die alle nur noch Eines wollten und fühlten, nämlich gemeinsam in Frieden und Freundschaft leben, egal welchen Ländern und Religionen sie einstmals angehört hatten...

Als ich aber endlich erwachte, liebe Freunde, als ich mich umsah und meinen alltäglichen Weg durch den wachen Tag wieder begann, als mein Blick auf die Schlagzeilen der Zeitung fiel und ich den Nachrichten im Radio und Fernsehenfolgte, da wurde mir klar, dass dieser Traum sich niemals erfüllen wird, solange wir ihn nur träumen und darauf hoffen und nur darum beten, dass er sich erfüllen möge.

--- Wenn dieser Traum für uns und all die anderen Menschen auf dieser Welt tatsächlich einmal zur Wirklichkeit werden soll, dann kann dies aber nur geschehen, wenn wir alle gemeinsam unsere traditionellen Trampelpfade des Glaubens verlassen und ihn mit wachem Geiste und unter Anwendung und Zusammennahme aller praktischen Vernunft, zu der wir Menschen nur fähig sind – in die Tat umsetzen, und dies kann nur gelingen, wenn wir alle aufhören, Traumtänzer und Märchengläubige zu sein und endlich ernsthaft damit beginnen, unsere Handlungen durch den Geist
wahrer Vernunft, ehrlicher Humanität und mitfühlender Menschlichkeit bestimmen zu lassen, um jedem Menschen seine unveräußerlichen Rechte zuzuerkennen – unabhängig von „Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand“ und „unabhängig davon, in welchem rechtlichen Verhältnis ein Mensch zu dem Land steht, in dem er sich aufhält“ - denn wie lautet doch der von Menschen gemachte Artikel 1 in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ -

Liebe Freunde,
ich wünsche Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest; verzeihen Sie den Ernst meiner Wort, leider entsprechen sie dem der Lage; doch wie ich meine, wollen sie wohl auch passen zu dem Sinn des nahenden winterlichen Lichterfestes, trägt es doch nicht umsonst den auch Namen: Fest des Friedens. Ich danke Ihnen.
Ansprache zum Volkstrauertag am 15. November 2015 in Hochborn und Spiesheim.

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Verehrte Anwesende, liebe Freunde,

wohl selten in den letzten Jahren hat der heutige Volkstrauertag – den wir begehen in mahnender Erinnerung an die Opfer der beiden Weltkriege und an die Opfer der schrecklichen Nazi-Diktatur nicht nur in unserem Lande, sondern sogar weit über dessen Grenzen hinaus – eine solch tragische Aktualität erreicht wie gerade in diesem.

Im 70. Jahre nach Ende des letzten erschreckend großen Krieges, müssen wir uns eingestehen, dass es uns für eine bisher ungeahnt lange Zeit zwar gelungen ist, unser eigenes Land vor kriegerischen Handlungen zu bewahren, dass wir aber – völlig entgegen den seinerzeitigen Absichten bei der Gründung der Bundesrepublik – heute nicht nur – und das nun auch schon seit 60 Jahren – wieder eine Armee besitzen, sondern dass wir sie auch eingesetzt haben – und zwar nicht nur für humanitäre Hilfeleistungen, sondern auch in kriegerischen Auseinandersetzungen in Afghanistan. Und obwohl wir eigentlich alle wissen, dass die Ursachen für die derzeitigen Flüchtlingswellen nur mit einer Befriedung in ihren jeweiligen Herkunftsländern zu erreichen wäre, haben wir – entgegen den lange bewährten Grundsätzen früherer Außenpolitik – Waffen an
kriegsführende Parteien, nicht nur an die so genannten Peschmerga in Syrien, sondern auch an das im Jemen Krieg führende Saudi-Arabien geliefert. – Es war der frühere Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Norbert Blüm, der vor wenigen Tagen im Fernsehen einen Gedanken äußerte, den auch ich – und sicherlich auch viele von Ihnen – schon gehabt haben: „Irgendwo her müssen die dort überall doch andauernd neue Munition bekommen?! Warum liefert man ihnen denn dann einfach keine mehr?!“

Doch Sie und ich, wir haben das nicht zu entscheiden, liebe Freunde; und selbst wenn unsere Regierung, aber auch die EU und, wie ich finde, auch die Vereinten Nationen jetzt ab sofort tatsächlich alles Erdenkliche für eine erfolgreiche Befriedung all dieser Krisen- und Kriegsgebiete zu tun imstande wären, so würde dieser ganze Prozess leider wohl doch noch eine ganze Zeit lang in Anspruch nehmen.

So lange aber, liebe Freunde, wird man es wohl keinem Menschen verdenken können, wenn er seine liebsten Angehörigen, seine Kinder und sich selbst vor den Minen, Granaten und Bomben und vor dem Trommelfeuer der Maschinengewehre in Sicherheit zu bringen versucht. Und gerade die älteren unter uns, die vielleicht sogar noch eigene, persönliche Erinnerungen in sich tragen, an die vielen Emigrationen, (so lange das noch möglich war!) aus Deutschland in andere Länder, und an die vielen Flüchtlinge aus Deutschland vor den Bedingungen der Nazi-Herrschaft – oder auch an all die
späteren Evakuierungen aus den Kriegszentren hier in unserem Land, die können sich vor der Not dieser Menschen eigentlich nicht verschließen. Wir Jüngeren aber, die wir keine solchen Erfahrungen mehr machen mussten, wir brauchen in diesen Tagen bloß nach Paris zu schauen, um zu sehen und zu verstehen, wovor all diese Menschen geflohen sind.

Dass es mittlerweile aber so unüberschaubar Viele geworden sind, die da aus ihrer Verzweiflung heraus Rettung und Hilfe suchen gerade auch hier bei uns, das hängt in bedauerlicher und vielleicht sogar überflüssiger Weise damit zusammen, dass wir alle – vor allem aber unsere Regierungen – viel zu lange die Augen abgewendet haben vor den großen Problemen all dieser Menschen in ihren Heimatländern.

Diese Welt aber, liebe Freunde, sie ist – so kommt es uns zumindest vor – durch die modernen Entwicklungen immer kleiner geworden – ... Und da bleibt uns allen doch eigentlich nur Eines: Wir Menschen müssen eben alle etwas enger zusammen rücken und dies nicht zuletzt eben auch mit all denen, deren Heimat ursprünglich ganz woanders gewesen ist. Dass wir alle dies aber eben auch in Frieden tun, das gebietet uns die Humanität.

Alle aber, die jetzt meinen, eine Fremdenangst oder gar Fremdenfeindlichkeit schüren zu müssen, egal ob in Ostdeutschland, z. B. in Sachsen, oder auch im Westen z. B. im Ruhrgebiet oder auch hier bei uns in Rheinhessen – vielleicht sogar schon im nächsten Dorf oder im Haus um die nächste Ecke – die befinden sich selbst auf einem sehr gefährlichen Weg in ein anderes Land – nämlich in eine andere Republik, die wir – gerade, weil wir auf deutschem Boden damit so schreckliche Erfahrungen gemacht haben – weder wollen noch dulden können; und daher sollten wir diesen allen auch offen entgegentreten und offen eintreten für das, was gerade an diesem heutigen Volkstrauertag eingefordert werden muss: Frieden, Humanität und Mitmenschlichkeit.

Ich danke Ihnen.
Die am 16. Januar 2015 bei der Mahnwache für freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit und gegen die Vereinnahmung von Religion durch Terrorismus durch Pfr. Kalk für die Freie Religionsgemeinschaft unterzeichnete Absichtserklärung:
Teilnahme an der Mahnwache für freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit und gegen die Vereinnahmung von Religion durch Terroristen (16. Januar 2015 vor der Allgemeinen Zeitung in Alzey)
Schüler- und Jugendausflug ins Naturfreundehaus Elmstein/Pfälzer Wald
(2014)

Spendenübergabe einiger Religionsschüler
für das DRK-Krankenhaus Alzey.
(von links nach rechts: Paul Best,
Michael Nordhoff (kaufm. Direktor des DRK-Krankenhauses),
Katharina Matthes, Pfr. Stephan Kalk, Johann Best,
Sheyenne Häußer, Claudia Müller)
zur Meldung auf der DRK-Krankenhaus Seite
(2014)

Spendenübergabe der Konfirmandengruppe
für die Kindertagesstätte der
frei-religiösen Gemeinde Offenbach.
(von links nach rechts: Paul Best, Katharina Matthes,
Sheyenne Häußer, Erik Tschöpe, Claudia Müller,
Johann Best, Pfr. Heiner Keipp von der FRG Offenbach)
(2013)

Luisa Müller (2. v. links)
begleitet von Pfr. Kalk (links)  bei ihrer Spendenübergabe
an die Vertreter/innen der
gerontopsychiatrisch- /geriatrischen Tagesstätte der Rheinhessen Fachklinik in Alzey (2012)
(Das Bild im Bild zeigt ein therapeutisches Gerät, für dessen Anschaffung und Aufstellung auf dem Bewegungspfad in der
Außenanlage der Klinik die Spende Verwendung fand) 


HUMANISTEN RHEINHESSEN *** Freie Religionsgemeinschaft Alzey, K.d.ö.R.